Angst - ein mulmiges Gefühl vor der Reise
- Tamara Waeber

- 30. Dez. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Sept. 2023
Dieser Beitrag liegt seid bald einem Jahr in meinem digitalen Notizbuch als Entwurf. "Das ist noch nicht perfekt, dies könnte noch etwas besser sein, verstehen die Leute mich? Ist es zu persönlich so etwas öffentlich zu schreiben...?" Gedanken in meinem Kopf, die mich davon abhalten, diesen und auch weitere Beiträge auf der Webseite aufzuschalten. Doch damit ist jetzt Schluss. Viel Spass beim Lesen.

Stellt euch vor, es ist Januar 2021, also ca. 3 Monate vor unserer Reise. Wir haben noch nicht viel für die Reise geplant. Wir haben zwar bereits gekündigt, sind aber noch beide am Arbeiten. Wie unsere Weltreise konkret aussieht ist nochunklar. Wohin sie uns führen wird auch.
"Wow, ihr macht eine Weltreise." "Oah wie mutig, wie toll!" Ja auf so ein Abenteuer zu gehen ist toll und ich freue mich irrsinnig, bald loszugehen. Doch es ist auch bei uns nicht alles wunderbar rosig und toll. Es gibt auch die Momente, in denen ich an der Reise, den Plänen, ja vielleicht sogar etwas an mir, zweifle. Momente, in denen mich die Angst ergreift.
Mitten in der Nacht ergreift mich ein schaudern. Ein Gefühl, dass ich bis jetzt in Bezug auf die Reise noch nie hatte, macht sich breit. Es geht direkt vom Herzen aus und klemmt in meiner Brust. Es ist Angst. Angst, dass unterwegs etwa Schlimmes passiert und es kein Zurück gibt. Die Gedanken im Kopf drehen sich. Vielleicht sind wir doch viel zu naiv. Wir sind zwei Grünschnäbel, die einfach mal so eine Weltreise machen. Wie soll das gehen, wir haben dies doch noch nie gemacht - na ja, wie oft macht man so etwas wie eine Weltreise auch im Leben - trotzdem. Bräuchten wir nicht mehr Erfahrung? Wie stellen wir sicher, dass nichts Gravierendes passiert. Können wir das überhaupt? Wie wissen wir, dass wir nicht einfach entführt werden, wie es dem Schweizer Paar passiert ist, dessen Geschichte im Film "Und morgen seid ihr tot" dokumentiert und erst gerade am Zürcher Filmfestival als Hauptfilm auf der Leinwand zu sehen war. Warum hat unser Freund uns auch nur von diesem angeblich definitiv sehenswerten Film berichtet. Hätte ich nicht über diese tragische Reisegeschichte recherchiert - alles mit dem Gedanken, es ist wichtig, dass wir uns auch mit den Gefahren der Reise auseinandersetzen - würde ich jetzt wohl nicht vor Angst aufgeschreckt wach im Bett liegen. Oder vielleicht doch. Liegt es bloss an dieser Information, dass es viele Faktoren gibt, die wir nicht zu 100 % beherrschen, vorhersehen, einplanen oder umgehen können? Oder doch einfach daran, dass einige Dinge ungewiss bleiben. Warum kommt mir all dies ausgerechnet jetzt in den Sinn? Mitten in der Nacht.
"Das klappt doch nie!"
Nun ja, wir haben uns in den letzten Tagen wirklich intensiver mit der Reise auseinandergesetzt.
Von der Zugfahrt zu meiner Schwester, bis hin zum Abendessen mit unseren Freunden. Die Gedanken waren immer wieder bei der Reise. Während wir uns unterwegs Namen überlegt haben, wie wir den Blog, den wir hier schreiben, nennen möchten. Respektive, wie wir unserem Abenteuer in Wort und Schrift Ausdruck verleihen. Erhalten wir im anschliessenden Gespräch beim Neujahrsessen zusätzliche Informationen betreffend Einreise in gewisse Länder. "Was, wie wollt ihr denn in die USA einreisen, wenn ihr davor im Iran wart", meinte eine fleissige Zuhörerin am Tisch. Stirnrunzelnd blicke ich sie an. Mir ist bewusst, dass sie bereits im Iran war und sich auskennt, und doch verstehe ich nicht, was daran so problematisch ist. "Also wie meinst du das?", hacke ich nach. Sofort erhalten wir von ihr die Erklärung: Einreisen in die USA sind nicht gestattet, wenn du in den letzten fünf Jahren im Iran warst. Ojemine, mit diesen ganzen Einreisebestimmungen habe ich mich nun wirklich noch nicht auseinandergesetzt. Ich dachte irgendwie, das wäre alles viel einfacher - respektive ich dachte überhaupt nicht viel darüber nach. Als Herr und Frau Schweizer, die gerade an der Grenze zu Deutschland und Frankreich leben und sich sonst regelmässig in Europa fortbewegen, sind wir es uns einfach nicht gewohnt, dass es strenge Richtlinien für gewisse Länder gibt. In diesem Moment komme ich mir wieder völlig naiv und unvorbereitet vor. Wie um Himmelswillen wollen wir in drei Monaten los die Welt bereisen und ganz auf uns alleine gestellt sein. Das klappt doch nie!
Während ich mich immer noch schaudernd mit vielen Fragen im Kopf hastig im Bett umdrehe, sehe ich, wie Marco entspannt da liegt. Er ist mittlerweile von meinem Gezappel aufgewacht, blickt mich an und nimmt mich in den Arm. Mir wird sofort wärmer und ich merke, wie sich die Anspannung in mir langsam löst. Nachdem ich ihm von meinen Gedanken erzählt habe, fühle ich mich besser. Manchmal ist eine Umarmung eines lieben Menschen genug um das Gedankenrad im Kopf auszuschalten. Um sich zu Hause zu fühlen und zu entspannen.
Ja, es macht Angst, auf solch eine Reise zu gehen. Und dies ist auch in Ordnung. Denn es braucht einen gewissen Respekt vor dem Ungewissen, um nicht Hals über Kopf in eine missglückliche Lage zu geraten. Es hilft uns, dass wir bei den Vorbereitungen gründlich sind. Dass wir möglichst viele Problemquellen eliminieren und uns über schwierige Situationen informieren. Darum tauschen wir uns mit Freuenden & Bekannten über Reisen aus. Knüpfen Kontakt zu deren Bekannten, die bereits länger verreist sind, um noch mehr Inputs zu erhalten. Lesen Beiträge im Internet, scrollen durch Wissensforen, informieren uns auf der Einreiseseite diverser Länder und folgen Bloggern, die auf Social Media ihre Erfahrungen teilen.
"Ein Stück Angst gehört dazu."
All diese Inputs, Wissens und Erkenntnisse helfen uns in den Vorbereitungen eine gewisse Sicherheit für unterwegs zu erlangen und doch schliessen sie nicht alle Eventualitäten aus. Es wird bestimmt noch etwas geben, auf das wir nicht vorbereitet sind. Und so bleibt auch ein kleines Stück Angst. Ein Stück Angst gehört dazu. Es zeigt uns, dass, das, was wir tun ungewiss ist und wir so über uns hinauswachsen und genau das wollen wir auf dieser Reise tun.


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